Geschichten aus Hattenhofen

Mahdieh, Christin aus dem Iran, erzählt:

Seit Februar 2018 leben wir in  Hattenhofen als Asylbewerber. Kiyan geht gerne in den Kindergarten, und mit Makan besuche ich jetzt die Spielgruppe. Wegen der Kinder konnte ich leider noch keinen Deutschkurs besuchen, aber mit meinem Mann zusammen habe ich schon gut Deutsch gelernt. Ich hatte das Abitur gemacht. Jetzt hilft mir Renate einmal in der Woche.

Ute Freytag hat mich zum „Frauenfrühstück“ eingeladen, was mir viel Freude macht, denn wir sind Christen. Im Iran hatten wir über einen guten Freund das Christentum kennengelernt. Uns beeindruckte, dass es im Christentum Freiheit gibt, dass wir Menschen gleichwertig wie Geschwister leben dürfen, dass wir einander aus Liebe helfen und nicht mit dem Hintergedanken: durch Hilfsbereitschaft verdiene ich mir das Paradies. Hier lernten wir Christen der neuapostolischen Kirche kennen und ließen uns taufen. In Göppingen und in Hattenhofen besuchen wir ihre Gottesdienste.

Wir genießen die religiöse Freiheit hier sehr. Im Iran ist es lebensgefährlich, sich zum Christentum zu bekennen. Nicht einmal in Hauskreisen konnten wir uns treffen, sondern nur privat mit Freunden. Der Geheimdienst ist allgegenwärtig. Neben den wenigen Kirchen in Teheran ist garantiert der Geheimdienst tätig und beobachtet, wer aus- und eingeht. Nach außen haben wir eine Demokratie, aber eigentlich ist es eine religiöse Diktatur. Ich fürchte, die jungen Leute, die  zu Protesten auf die Straße gegangen sind, haben keine Chance.

Als Frau konnte ich mich selbstständig in der Stadt bewegen. Kopftuch und kurzer Mantel über langen Hosen waren natürlich im heißen Sommer sehr lästig.

Aber auch die Männer dürfen ja keine kurzen Hosen anziehen.

Mein Hobby ist Sport. Ich war eine gute Volleyballspielerin. Unter Frauen brauchten wir dabei kein Kopftuch tragen.

Meine Großfamilie fehlt mir. Am Wochenende trafen wir uns alle in der Wohnung meiner Mutter oder im Park, zu wunderbaren Picknicks. Nun musste allerdings meine Schwiegermutter aus ihrem schönen Haus ausziehen. Der Geheimdienst bedrängte sie wegen der Flucht ihres Sohnes.

Hier dagegen sind wir froh, ohne Angst mit allen reden zu können.

… aufgezeichnet von Marianne Fuchs