„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt.
Ich weiß von nichts als meiner sel’gen Insel“.

Das sagte Friedrich Hölderlin sehr ironisch.

Sechs Jahre Schutzsuchende in Hattenhofen

Ehrlich: War es wirklich eine Katastrophe, dass seit sechs Jahren Flüchtlinge zum Ortsbild von Hattenhofen gehören? Wie oft wurde ich angesprochen auf den netten dunkelhäutigen Radler, auf den schnellen Zeitungsausträger, auf den Auszubildenden in Bauarbeiter-Kluft. Wie viel erfuhren wir über ihre Hoffnungen und ihre unvorstellbaren Ängste, in die Gewalt ihrer afghanischen, somalischen, nigerianischen, togolesischen Heimat abgeschoben zu werden.

Nur um schnell mal an unser Geld zu kommen, dafür hat niemand diesen entsetzlichen, monate- bis jahrelangen Weg hierher auf sich genommen! Lassen Sie sich einmal erzählen, wie es in libyschen Steinbrüchen und Lagern zugeht! (Oder lieber nicht, falls Sie ruhig schlafen wollen.) Wieviel Herzlichkeit und Wärme bringen diese Menschen in unsere kühle, distanzierte Welt hier.

(Stand Mai 2021)

Von der Gemeinschaftsunterkunft zur Anschlussunterbringung

Seit Ende 2019 wurde nun die Gemeinschaftsunterkunft (GU), in der bis zu 6 Menschen sich ein Zimmer teilten, in eine „Anschluss-Unterbringung“ (AU) umgewandelt. Diese ist nach 2 Jahren Aufenthalt vorgesehen für Menschen im Asylverfahren, aber auch für anerkannte Flüchtlinge. Durch die prekäre Wohnungssituation leben sie aber auch noch nach jetzt fast 5 Jahren in einer GU. Deshalb sind wir sehr froh über die AU. Darin ist auch eine Wohnung für Hattenhöfer, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, vorgesehen.

Leider wurden im Mai 2019 die Menschen, die hier eine erste Heimat gefunden hatten, wegen der Renovierung des Hauses in andere GUs verlegt: nach Schlierbach, Uhingen, Göppingen, Süßen, Geislingen. Das brachte für sie neue Ängste und Unsicherheiten mit sich. Sie werden leider nicht in unsere GU zurückkehren. Aber natürlich betreuen wir sie auch weiterhin.

Freundeskreis Asyl Hattenhofen

Wir Bürgerinnen und Bürger wissen vom Schiffbruch dieser Welt und nehmen unsere christlich-humanitäre Verantwortung, die sich in der Genfer Flüchtlingskonvention ausdrückt, wahr.

Hattenhofen hat seine Kraft nach dem 2. Weltkrieg bewiesen, als 836 Hattenhöfer 537 Heimatvertriebene aufnehmen mussten. Das war ein heute unvorstellbarer Kraftakt, aber er ist gelungen.

Hattenhofen hat in den 70er-Jahren Neubaugebiete geschaffen und Menschen aus vielen unterschiedlichen Regionen Deutschlands und der EU eingegliedert (1974 waren es ca 700 Neubürger).

Und seit Januar 2015 suchen Menschen bei uns Schutz vor Armut, Krieg und Gewalt. Auch das bewältigt die engagierte Dorfgemeinschaft.

Die Menschen in Hattenhofen haben sich schon immer herausfordern, aber dadurch auch bereichern lassen. Es wird viel diskutiert und ausgehandelt, ausprobiert und verbessert.

Dieser lebendige Prozess dauert an, auch in der Anschluss-Unterbringung.